Jeden Tag ins Schwimmbad

Jeden Tag ins Schwimmbad

Eine ganze Woche Schule im Freibad? Was für ein Traum. Der wurde für unseren Jahrgang 3 Wirklichkeit, aber auch mit Anspruch: Es musste ein Vierteljahr Schulschwimmen nachgeholt werden.

Die Vorgeschichte: Das St. Pauli-Bad, unser fußläufiges Schwimmbad um die Ecke, wird saniert. Für unsere sechs 3. Klassen wurde es dadurch notwendig, in das Schwimmbad nach Lurup umzuziehen, was zwar verkehrsgünstig, doch aber am anderen Ende der Stadt liegt. Ähnlich unattraktiv waren die Ersatzschwimmzeiten für die Klassen. Eine Stunde Schulschwimmen hätte den Schulalltag komplett durcheinander gebracht und Mittagessen fiele dann auch noch aus. Lange Gespräche zeigten keine Lösung für dieses Schulhalbjahr. Daher gab es den Beschluss, einfach einen Teil des Schulschwimmens selber durchzuführen. Der Schwimmsport hat in unserer Schule eine gewisse Tradition und einen Stellenwert. Möglichst alle Kinder, die Ende der vierten Klasse an eine andere Schule gehen, sollen schwimmen können. Genauso wichtig wie lesen, schreiben, rechnen.

Für eine Woche mietete sich der Jahrgang 3 mit etwa 130 Kindern im Naturbad Kiwittsmoor ein und lernte dort in den Morgenstunden schwimmen.

Es war ein erheblicher organisatorischer Aufwand: Gesucht wurden Menschen mit Rettungsschein, die morgens Zeit haben, Kindern zusammen mit unseren Lehrerinnen, Erziehern und Eltern schwimmen beizubringen. Termine und Ersatztermine wurden festgelegt und der Ablauf geplant. Eine Bestandsaufnahme ergab, dass etwa die Hälfte des Jahrgangs 3 schon weit gekommen war, es aber noch an den wichtigsten Abzeichen, dem Seepferdchen und dem Freischwimmer (Bronze), mangelte.

Es wurden acht Schwimmgruppen eingeteilt und dann ging es mit der U-Bahn nach Langenhorn zum Naturbad Kiwittsmoor.

Viele Kinder kennen das Bad, weil die Schule häufig Ausflüge hierhin macht. Besonders herausfordernd ist hier für viele Kinder das dunkle Wasser. Das Bad hat einen eigenen Brunnen und ein Schwimmbecken mit Strand und ist im Grunde ein eckiger Badesee. Andere Kinder fanden das gerade gut – egal wie: Schwimmen lernen ohne blaue Kacheln war angesagt.

Schon nach der ersten Schwimmstunde war klar, dass die Gruppen verändert werden müssen. Einige Kinder hatten sich falsch eingeschätzt und in vielen Fällen in die bescheidenere Richtung. Dank der wöchentlichen Vorbereitung beim „richtigen“ Schulschwimmen konnten die meisten Seepferdchenkinder sehr wohl schwimmen. Es fehlte aber noch an Ausdauer und an dem abschließenden Freischwimmabzeichen.

Die Schwimmwoche bestand aus zwei Tagen Anfang Juni – bis ein Islandtief mit Hagel und Sturm den Geschmack am Freibad versaute. Ende Juni wurden die drei fehlenden drei Tage bei Hochsommerwetter fortgesetzt. Unsere Rettungsschwimmer und Trainerinnen am Beckenrand haben ganze Arbeit geleistet. Die Lehrer, Erzieherinnen und Eltern haben wertvoll Hilfe am Beckenrand geleistet und nicht zuletzt die Kinder haben voll mitgespielt. 

Wie schon beschrieben, ist es nicht für jedes Kind leicht, seine Nase in Naturwasser zu stecken. Am Ende waren aber alle dabei – und wer sein Abzeichen im Kiwi gemacht hat, kann darauf stolz sein.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 55 Kinder haben nach einer Woche ein Abzeichen erschwommen.

5 Kinder haben ihr Seepferdchen geschafft – und das im tiefen Wasser auf einer 50m-Bahn!
23 Kinder haben nun ein Bronzeabzeichen – der amtliche Beweis für ein sicheres Schwimmkind.
10 Kinder haben ein Silberabzeichen und 17 Kinder ein Goldabzeichen.

Natürlich gibt es auch Kinder, die noch ein bisschen mehr Förderung brauchen oder die ausgerechnet in der Schwimmwoche krank waren. Gerade die sehr begehrten Abzeichen in Silber und Gold haben ihre Tücken, für die man doch etwas länger trainieren oder einfach auch etwas älter werden muss.

Und dann sind da noch die zwölf Helferkinder, die im Schwimm- oder Wasserballverein sind und immer wieder vorgeschwommen oder unterstützt haben.

Ein besonderer Dank gilt unseren schwimmkundigen Menschen, die für eine Woche dabei waren und unseren Kinder zum Schwimmen begeistert haben. Wir sind unserem Ziel, dass jedes Kind nach dem Besuch der Sternschanzenschule schwimmen können soll, wieder etwas näher gekommen.